Wortsuchend, ausdruckgebend, laienphilosophisch. "Schreibtischrabauke sucht Wortromanze." You can email me

Sprachlos.

Die schnelle Welt drängt uns oftmals dazu die tiefere Bedeutung eines Augenblicks zu vergessen. Und wenn es die Zeit einmal zulässt, zu verweilen, drängt sich plötzlich ein “Müssen” zwischen den Moment und die Ruhe. Und gerade uns Menschen ist doch die Gabe gegeben mit dem Herzen sehen zu können, auf die Stimme unserer Seele zu hören und die Schönheit in der Langsamkeit zu entdecken. Und doch finden wir selten Halt am Ufer dieser Kostbarkeiten. Treiben immer wieder hinaus in den Strom des hektischen Rennens, stetigen Strebens und immer wieder dem Hinterfragen, nach der Richtigkeit unseres Handeln und Tuns. Aber genau dieser Kontrast ist die Zutat, die für die Wirkung ganz tief in unserem Innersten relevant ist, um einmal, vielleicht nur für ein paar Stunden, auszusteigen. Zu verzichten an der Teilnahme in diesem Chaossystem, um mit einem hellen erfreuten Blick dahinter zu schauen, hinter jene Stadtgrenzen, die diese unzähligen grauen Alltagsmaskeraden einmauern. Um diese Zeit zu finden, die sich in Freiheit hüllt. In dieser Art von Freiheit aufzugehen, in der Lebensfreude blühen kann - farbenprächtig tief im Herzen blühen kann, zu jeder Jahreszeit. Es lassen sich wundervolle Augenblicke finden. Fragen lösen sich auf. Die Ruhe und Stille nimmt einen sanft in den Arm und man besinnt sich seines wahren Weges, lässt einen den ganz persönlichen Platz im Leben erahnen und es lässt sich Zeit finden, für sich und auch für andere. Die Prioritäten beziehen sich wieder auf das wesentliche. Diese Momente der seelischen Ruhe lassen sehen, wie weit man sich doch zu mancher Zeit von sich selbst entfernt hat und vor allem wie fremd man sich doch ist. Augenblicke, in denen dieses rastlose Denken einfach nur stillsteht und das reine Empfinden den Körper erfüllt, verschlägt die Tiefe unseres Erlebens dem Verstand die Sprache.

"Wildäpfel im Herbstlicht."
Fotografie © 10/2014 by Herr Sushi™

Differenzen.


Geradlinige Differenzen schieben sich durch die Bilder hinter meinem Atem und verschwimmen zu einem Klang der Weite. Einen Klang ohne Anfang, ohne Ende. Spalten und Lücken bilden sich zu ineinander greifenden Zwischenräumen, polarisierend rufen sie nach klaren Worten, um mit ihnen gefüllt zu werden. Monochrome Momente drängen danach mit farbenprächtigen Lichtern zu verschmelzen. Kluften, Gräben, Spalten. Alles schreit nach Brücken. Brücken zwischen dem “könnte” und dem “ist”. Meine Hand greift nach oben, weit hinein in das Firmament, durch welches bedächtig, ganz ankerlos, nur vom Wind gelenkt, die Leichtigkeit ihre Bahnen zieht. So atme ich noch einmal tief ein und lasse mich hinein fallen, in diesen Klang der Weite in meinem Ohr, und schwimme hinüber zum UIfer und beginne dort meine Brücken zu bauen. Denn es “Könnte” sein, dass es schon “ist”, jenseits jeglicher Differenz.

Eine Umarmung nur.

Ich träume davon, dass ich eines Tages finde, wonach ich wirklich suche. Träume davon, mein Ziel zu finden, von dem ich träumen kann. Ich verspüre oft das Gefühl, dass ich beschützt werden müsste in dieser Welt, wie sie ist. Das ist wirklich paradox, weil ich erstens schon einige Lektionen in meinem bisherigen Leben gelernt habe und ich mir zweitens durchaus dessen bewusst bin, dass verschiedenste Perspektiven uns zu unterschiedlichsten Lösungswegen bringen können.

Doch manchmal bin ich einfach verfahren in den eigenen emotionalen Welten und unüberschaubar die erscheinenden Grundrisse meines Geistes. Ich träume gerne, gelegentlich verlaufe ich mich ganz unbewusst in diesen Zustand. Ich träume aber auch ganz realistisch von meinen Zielen, die ich mir irgendwann einmal gesteckt habe, träume von meiner Zukunft. Von Zeit zu Zeit rückt alles immer weiter von mir weg, aber ich versuche es mir immer wieder auf meiner Landkarte des Lebens vor Augen zu halten. Doch wenn es mir misslingt diese realistischen Träume festzuhalten, träume ich wieder von der Sehnsucht, dass ich eines Tages finde, wonach ich eigentlich mit tiefstem Herzen, ohne es zu wissen, suche. Ich träume dann davon, mein Ziel zu finden, von dem ich träumen kann. Dann fange ich an, das Ziel suchend, umher zu irren. Mal läuft mein Leben ganz schnell an mir vorbei, als hätte mal eben jemand die Vorspul-Taste gedrückt, mal ziehen sich Momente, Zustände wie in Zeitlupe. Und beides kann so unerträglich sein.

Ich verliere mich in der Vergangenheit, bin ich doch irgendwie stolz auf die Zeit in der ich ein anderer war. Bin stolz auf die Dinge, die ich getan habe, auch wenn es hier und da Dinge sind, auf die man normalerweise nicht stolz sein sollte. Und doch sehe ich sie als ein Teil von mir. Irgendwie selbstredend, denn hätte ich das alles nicht gelebt, wär ich schließlich heute auch nicht der, der ich bin. Und irgendwie muss ich mir dann auch einmal Recht geben, in meiner ganzen Unsicherheit. Denn an einem bestimmten Punkt habe ich mich eben nunmal um 180° gedreht und bin jetzt, wie ich bin. Reden kann ich aber dennoch nicht über alles. Vielleicht ist das auch mein gutes Recht. Wenn ich ins Gespräch mit anderen komme, heißt es meist seitens meines Gegenübers: "Du und deine Andeutungen!"  Auf den Punkt komme ich meinerseits in persönlichen und emotionalen Themen recht selten. Ich versuche diesem Verhalten nicht meine Erfahrungen voranzuschieben und somit bleibt oft nur das abprubte Ende in dem das Resultat offen bleibt. Mir schießen wilde Gedanken durch den Kopf, wenn ich im Bett liege und Zeit habe nachzudenken. Tagsüber versuche ich mir Aufgaben zu suchen, die mich so sehr und zeitintensiv beschäftigen, dass ich keine Zeit zum nachdenken finde. Doch abends gelingt es nicht. Ich träume nachts wirre Träume. Manchmal macht es mich ziemlich fertig, es fühlt sich an, als ob da irgendwas in meiner Seele sitzt. Ein dunkler Fleck, der sich manchmal ausbreitet und mich meines Lichtes und meiner Freude berauben will. Ich versuche mich zu verstecken hinter dem, was ich bisher gefunden habe. Es ist noch ziemlich übersichtlich, aber diese Puzzleteile die ich bis heute gefunden habe, haben grundlegend mein neues Lebensbild gestaltet, auch wenn es mir furchtbar durchwühlt erscheint. Dann hinterfrage ich mich, ob ich mir nicht nur eine heile Welt vorspiele, ob ich mir nicht immer wieder nur vormache, dass ich ein ruhiges und geregeltes Leben habe. Frage mich, ob alles ist wie ich es will. Dann merke ich, dass ich mich irgendwie ein bisschen hasse, weil es eben so ist, wie es ist, weil es eben gar nicht das ist, was ich will. Und doch ist es besser als es jemals zuvor war.

Ich suche mir immer wieder kleine Lichtblicke, an die ich mich mit so viel Übereifer klammere, dass ich bei jedem kleinen Rückschlag gleich noch tiefer in ein Loch zu fallen drohe. Dann kommt es vor, dass ich alles was mir als ein geeignetes Ziel erscheint, kurzfristig zu meinem Ziel mache, nur um dann mit noch mehr Wehmut festzustellen, dass ich doch nicht das gefunden habe, wonach ich suche. Wenn ich mal ganz ehrlich zu mir selbst bin: ich renne doch irgendwie planlos durch mein Leben, so passiv, und warte darauf, dass irgendetwas zu mir kommt. Dann ersaufe ich hin und wieder im Kummer darüber, in was für einem Trümmerhaufen ich damals gelebt habe. Baue mich dann wieder ein bisschen auf, indem ich in mich schaue und das versuche zu sehen was ich nach meiner eigenen kleinen Wende erreicht habe. Nur um dann wieder im Kummer zu ertrinken, weil ich feststelle, dass ich die Leere von damals bis heute noch immer nicht ausfüllen konnte. Nebenbei fühle ich mich verarscht vom Leben, weil immer wieder Probleme dazu kommen, immer wieder beschleunigen, bremsen, beschleunigen, bremsen… Das, was ich bis hierhin gefunden habe, sehe ich in Gefahr. Ich neige für kurze Augenblicke dazu aufzugeben. Doch ich lasse mich nicht unterbuttern und bleibe stark. Halte fest an dem was ich hab. Versuche mir enorm in den Arsch zu treten, was sich jedoch immer wieder als äußerst schwierig erweist. Dann wünschte ich mir Personen, die zu mir durchdringen könnten. Die verstehen was ich da murmel und von mir gebe. Doch ich rede viel zu wenig über mich und vor allem viel zu wenig über mein Innenleben, dem Herz- und Seelebereich.  Ich wünschte mir einen Rat, den ich mir nicht selber hätte schlußfolgern können. Manche Menschen sagen mir Dinge, die ihnen in dem Moment passend erscheinen, die sie zuordnen können zu diesem Gefühl, welches sie gerade vermuten, das ich gerade fühle, das sie mit mir fühlen. Hinterher tun sie mir manchmal leid, weil diese gut gemeinten Worte einfach nur abprallen an meinen Erfahrungen, die in mir stehen wie eine Mauer die einen langen Schatten werfen und keines dieser mich dort erreicht wo es wirken sollte. Und dann hasse ich mich wieder, weil ich ihnen nicht die wirkliche Chance gab zu mir durchzudringen.

Aber jedes Mal wenn ich meine Unentschlossenheit spüre, sticht es ein wenig durchdringender in meiner Seele. Wenn ich wieder einen dieser Tage habe, an denen der Kopf so voll ist, dass ich nicht mal weiß, womit. An denen ich wieder einmal merke, dass ich noch immer nicht weiß, wohin mit mir. Mal lasse ich die Menschen zu Strömen in mein Leben rein, mal sperre ich mich selbst aus. Und jedes verdammte Mal habe ich das Gefühl, das endlich zu finden, wonach ich suche. Ich weiß ganz genau, dass es nur ein einziges Ereignis braucht, um den Kreis zu durchbrechen, zumindest fürs erste. Dann habe ich jedes Mal so einen Sprung im Herzen, den Moment, in dem ich feststelle, dass ich mich nach einer riesengroßen Umarmung sehne. Etwas, was mich umhüllt, nicht einsperrt oder beengt sondern wärmend umfasst. Einen Moment, in dem ich mir nicht selbst überlassen bin, weil ich es mir so ausgesucht habe.

Manchmal drehe ich mich in einem immer kleiner werdenden Kreis. Manchmal verspüre ich so viel Kraft sämtliche Mauern durchbrechen zu können. Manchmal bin ich davon überzeugt die Welt würde nach meinen Regeln funktionieren. Manchmal fühle ich mich leer und bin doch grenzenlos erfüllt. Manchmal schaue ich zu meinen Füßen und mir werden diese banalen irdischen Gewichtigkeiten völlig egal. In diesen Augenblicken wird mir bewusst, dass ich mich einzig und allein in meiner Welt bewege. - Leider nur manchmal.
Westbalkonia - Das Leben ist gut

Das Leben ist gut

Westbalkonia

Das Leben ist gut

Uns geht’s gut, denn wir leben. Seht nur diesen goldenen Oktober! Die Luft ist still, als atmete man kaum. Die Wortakrobaten und Schriftsteller verlassen für einen Augenblick der Muße ihren Schreibtisch, treten vors Haus, atmen tief, blinzeln in die milde Sonne und verlieren sich in Melodien von Klangwelten. Welche Farben sich entfalten. Alles fusioniert zu einem Tag! Alles wird eins und findet zusammen in einem Gebilde. Denn das Leben ist gut und immer neu.

Das alles.

Wir wollen leben, mit unserem ganzen Körper, unserer ganzen Seele, unserem ganzen Herzen und merken meist nicht, dass wir es schon längst tun.

Jeder Blick quellt vor Leben fast über. Jeder noch so kleine Seitenblick ist ein Beweis für das Leben. Selbst der Hasserfüllteste, der uns mit seiner Macht zu Boden drückt. Alle geschrienen Wörter, die die Luft mit Messern zerschneiden und auch die geflüsterten, die der Wind sanft zu uns trägt. Die Wörter, die schwer von ihrer Bedeutung, man sich kaum auszusprechen wagt. Wörter, die man ohne Bedenken aneinander reiht und die doch dem anderen so viel bedeuten können. Und die Unausgesprochenen, die manchmal tiefe Schluchten zwischen uns aufreißen und genauso eine Brücke bauen können, über die wir den anderen erreichen können.

Unsere Gesten, die, die von Herzen kommen, die, die von tiefstem Hass gelenkt werden, die, die vor Trauer so zerbrechlich sind, dass sie des Öfteren in tausend Stücke zerspringen. Und auch die, die wir nicht bewusst ausführen, wo doch so viel Leben an ihnen hängt. Die Träume, die wir in unseren Herzen tragen und uns nur dann vor Augen führen, wenn wir denken, das niemand es bemerkt. Die Träume die wir nicht nur träumen, sondern auch verwirklicht haben.

Schritte die wir gehen und die uns dorthin tragen, wo wir sein wollen. Und auch diese, die wir eigentlich nicht gehen wollen und es doch müssen, weil wir keinen anderen Weg wissen und nicht einfach umdrehen können und es uns auch nicht trauen, weil wir solche Angst haben, das Falsche zu tun. Schritte auf Wegen, die uns kaum vertraut sind und doch das Gefühl schenken richtig zu sein.

Jeder Windhauch, den wir sanft auf unserem Körper spüren, jeder Sonnenstrahl, der uns mit seiner Wärme bedeckt, jeder Regentropfen, der unsere Haut berührt, jede Schneeflocke, die auf unseren warmen Wangen zu Wasser schmilzt, all die Welt die uns ummantelt. Alles ist mit Leben getränkt. Von jedem einzelnen und auf seine ganz persönliche und eigene Art. Alles ist randvoll mit Leben.

Unserem Leben.

Herbstwind.

Gebannt stehe ich hier, im Licht dieses Oktobermorgens. Weit zurück in der Ferne höre ich noch das Echo von Freuden menschlicher Liebe. Ich lächle, schließe meine Augen, fühle ganz nah eine geheimnisvolle warme Sehnsucht und versuche mich vom Abschied loszulösen. Ganz allmählich spüre ich, wie das Tempo des Sommers Tag für Tag geruhsamer wird und mich die Ruhe des Herbstes immer mehr mit seinen kalten Winden umhüllt. Winde die meine Anker lösen. Winde die mich weiter treiben lassen. Winde die Geschichten aus kommenden Zeiten, weit hinter dem Herbst, erzählen. Winde die mich frösteln lassen und gleichzeitig mein Herz erwärmen. Ich breite meine Arme aus und fliege frei von allen Erwartungen durch die tanzende Farbenpracht der herbstlichen Bäume.

Ist ein bisschen spät, aber: wie war denn der 1. Schultag? :) Du schreibst so unglaublich schön, nicht diese 0815 melancholische traurigkeit die man zum heutigen Zeitgeist erwartet. Ich finde, deine Texte strahlen nur so vor kindlicher Hoffnung oder manchmal eben auch tiefergreifende, unterschwellige Sehnsucht. Aber als melancholisch würde ich sie nie bezeichnen, denn deine Texte sind viel besser als das! Mach bitte weiter so! :) grüße.
I answered:

Hi shivaevangelica,

vielen Dank für dein äußerst positives Feedback. Nun habe ich mich seit knapp vier Wochen in eine eher unfreiwillige “textorische” Abstinenz begeben, welche zum einen dem berühmten 1. Schultag (und dessen “Folgeerscheinungen”), wie auch einem inspirativen Notstand zu Grunde liegt. Daher entschuldige bitte die ausgiebige Karrenzzeit meiner Antwort. Nichtsdestotrotz kann ich berichten, dass der erste Monat zurück auf der Schulbank einen ganz annehmbaren Verlauf genommen hat. Die wichtigste Erkenntnis ist derweil wohl, dass noch immer, heute wie damals, die Schulpädagogik wenig Freiraum für persönliche Lebensphilosophien bereit stellt. Daher erklärt es sich wohl von selbst, warum mancher Gedanke weder Form noch Farbe im Wort findet. Fachgesimpel und Definitionstheorien lassen da schon einige Hirnzellen ermatten. Und so besteht die Hoffnung, dass sich die Kompatibilität zwischen Pädagogik, Poesie und Pausenbrot noch finden lassen wird. Dies wäre dann wohl meine derzeit “unterschwellige Sehnsucht”. Und nochmal kurz zur “0815 melancholischen Traurigkeit”: Traurigkeit ist ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Seins. Und ich mag definitiv Melancholie und Traurigkeit, aber eben auch Freude, Lust und Lebensmut. Eines gleitet ins andere und eben gerade deshalb ist es wichtig sich nicht auf einer emotionalen Ebene festzufahren. Dies tun leider einige viel zu oft, wie du ja nun auch festgestellt hast. Ich kann mich noch an eine Zeit auf tumblr erinnern, in der ausschließlich gefühlskaltes Depressionsgehäule, Bilder von Borderlinern oder Selbstmordäußerungen gepostet wurden. Für mich war es schon immer fragwürdig was es mir selbst bringt jenes seelische Leid von fremden Menschen in mir aufzusaugen oder eben selbst meine eigenen Hoffnungslosigkeiten in die internetale Welt zu streuen. Ich selbst bin auch depressiv erkrankt und hülle mich hin und wieder auch gerne in melancholischen Traurigkeiten, vergesse jedoch dabei niemals die andere Seite. Schatten existiert eben nicht ohne Licht und Licht nicht ohne Schatten. Theoretisch ziemlich einfach, praktisch sicherlich eine aufwendige Übungssache. So schreibe ich auch gerne über die Schattenseiten, vergesse aber dabei nicht das Licht. Und die “kindliche Hoffnung” die du erwähntest schleicht sich wohl gerade deshalb ein, weil eben das Kind in uns drinnen enorm viel mit Leichtigkeit erklären kann, welche wir uns im Erwachsenwerden durch unsere logischen Erklärungen und Abwägungen nicht mehr erklären können, oder eben wollen. Ich freue mich sehr über deine persönliche Interpretation meiner Texte und hoffe ich werde auch weiterhin dieser gerecht. - In diesem Sinne, alles Gute und bis auf weiteres. #gez. Herr Sushi.

Farben im Nebel.

In den frühen Morgenstunden, wenn der Nebel noch sanft seine Bahnen über die Felder zieht, suche ich oft diese Weichheit der Worte, um all die formlosen Gedanken in einen Ausdruck zu weben, der jene Momente in ein Bild setzen könnte, welcher nur ansatzweise diese Farben meines Herzschlags zu vermitteln vermag.

Dieses Jetzt fühlt sich neu und unerforscht an. Ganz anders als das Gestern nach dem Vorgestern. Ich finde mich wieder in einer Welt voller neuer Perspektiven. In einer neuen Welt in diesem Altbekannten, mit ganz neuen Gewichtigkeiten. Manchmal, wenn er mir ganz bewusst wird, dieser Zustand der Veränderung, fühle ich mich irgendwie verloren. Suche dann orientierungslos meine Ziele im dichten Dunst. Und kurz bevor die Panik in mir aufsteigen will lasse ich mich auffangen, lasse mich auffangen von meinem Bewusstsein, welches stetig versucht mich beschützend in der Gegenwart zu halten. Ich löse mich aus der krampfhaften Suche nach Worten und Artikulationen. Rieche einfach nur die frische Luft des Morgens, spüre den kalten Nebel auf meiner Haut und fange an mit ihm zu treiben. Hinweg über die Felder und Bäume, immer weiter sanft treibend über dieses kleine Stückchen Welt unter meinem Füßen. Und dann spüre ich wieder die Mut, die Kraft und die Freude an der Erforschung aller Herausforderungen des Alltags, die mich hinter diesem Schleier erwarten. Ganz gewiss, werde ich hier und da einmal scheitern, doch letztendlich weiß ich: Solange sich jeder Augenblick mit einem Atemzug füllt und jeder Schritt dem nächsten folgt werde ich in einer Welt ankommen deren Formen aus meinen Pinselstrichen risultiert. Und augenblicklich strahlt die Sonne durch den Vorhang und die Farben des Nebels lassen meine Bilder in Glanz und Glitzer erstrahlen, erlauben all den formlosen Gedanken ihre Worte in sanften Formen zu finden.

Mein Herz pocht, fängt an zu rasen. Ich ziehe weiter. Weiter zu den Zielen fernab dem Hier, dort hinten …

Seifenblasen im Krieg.

Es gibt viel Streit, Wut und Zank. Nicht diese Art von “gesunden Konflikten”, die man dann und wann im Idealfall auch einmal zur Selbstreflektion verwenden kann. Sondern es sind diese Konfrontationen unzählig frustierter Leute überall auf einer unaufhörlichen Strecke der Fehlwahrnehmungen.

Auf allen Ebenen des Lebens sind sie zu hören: Im Alltag, in den Medien, im Umfeld. Angetrieben durch mangelnde Hoffnung, mangelndem echtem Selbstvertrauen, zu utopischen Zielsetzungen und hinzu kommt zuviel vorhandene Unzufriedenheit, Hass, Wut und Trauer. Durch die kleinsten Kleinigkeiten und die kleinsten Uneinigkeiten kommt es zu Disharmonien… Sie schreien sich an. Schlagen Türen zu. Schlagen Köpfe beieinander. Schlagen ihr Gegenüber. Schlagen, wenn der andere zu schlagfertig war. Treten Themen breit und platt. Haben das Leben lediglich satt. Die Farben verblassen. Überall demütige Stimmung. Menschen die etwas bereuen. Die bereuen etwas in ihrem Leben falsch gemacht zu haben. Menschen die keine Lust mehr haben zu leben. Sie geben alles auf. Schmeißen alles hin. Sämtlichen Ballast werfen sie von sich und heben ab…

"Frei. Freier. Freiheit." … Doch dann, wenn diese Seifenblase platzt, bemerkt jeder, dass er Pflichten hat. Pflichten und Verantwortungen in Gestalt von Mitmenschen. Menschen die auf ihn warten, in ihn Vertrauen haben und auf ihn bauen. Menschen die traurig sind, wenn er traurig ist. Menschen die zu ihm halten. Die für ihn da sind. Unaufhörlich. Doch leider bemerkt der Mensch dies selten rechtzeitig. Ist er doch schon längst so mit sich selbst beschäftigt und wird von seinem eigenständig gegrabenen Abgrund verschlungen, dass er nicht merkt wie er seine Mitmenschen mit sich zieht. Wie er sie verletzt und gar demütigt. Sie hintergeht, sie im Stich lässt, sie einfach nur fallen lässt, wie ein Stück glühendes Eisen, nur, weil er im Recht stehen wollte. Und augenblicklich werden Menschen zu einem Wolfsrudel. Wer ist der Stärkste? Wer ist der Aggressivste? Wer ist der Lauteste in diesem Streit? Die Anlässe schreien um sich. Hass, Ruhmsucht, Neid, Eifersucht oder ein gebrochenes Herz. Aus Liebe wird kurzzeitig oder langfristig Krieg. Ein Krieg, aus den verschiedensten Gründen. Ein Krieg, mit den schlimmsten Waffen der Menschheit. Mental, Verbal, Brutal. Bleibende Schäden aufgrund einer womöglich überflüssigen Konfrontation. Mittlerweile ist es schwer den streitlustigen Lockrufen der Streitgründe zu wiederstehen. Drum streitet man, tagein, tagaus. Über einen Kirschkern, einen Grashalm, einen Atemzug, mit dem Nachbarn, mit Unbekannten.

Auch wenn man sicherlich keinem Streit entgehen kann, kann man dennoch die Stärke zeigen sich unterwerfen zu können. Denn letztendlich beendet man am schnellsten einen Krieg, indem man ihn "verliert".

"Manches Herrliche der Welt ist in Krieg und Streit zerronnen.
Wer beschützet und erhält, hat das schönste Los gewonnen.”
(Johann Wolfgang von Goethe)

Anonym asked:
Du bist ein ganz interessanter mann! Ich bin froh deinen blog gefunden zu haben...
I answered:

"Du bist ein ganz interessanter Mann …"

Welch ein Loblied auf meine Person. Danke dafür! Zeigt es mir doch (in intellektueller Hinsicht), dass ich mit mancher Ansicht doch nicht so ganz daneben liege und einige Worte Bestätigung finden. Das freut mich wirklich sehr, denn letzten Endes will wohl jeder schreibende Mensch etwas mit seinen Worten mitteilen - mitteilen aus seinem Leben, aus seinen Erfahrungen etc. - um somit wiederrum etwas (zurück-)geben zu können. Dann findet mein Herz natürlich zum Triumph und lässt es scheinbar losgelöst springen, wenn mir Leute erfreut über ihren Fundus meines Blogs berichten und ein Feedback hinterlassen (positiv, wie negativ!). Dies ist der Antrieb immer weiter zu machen, neue Inspirationen zu finden, um dem Alltag noch mehr Wortfarbe zu verleihen, weiter zu machen für das eigene seelische Gleichgewicht (Basis), um somit impulsgebend für die Leser zu sein. Wir besitzen die Möglichkeiten und die Freiehit, uns hinein zu begeben in Welten verschiedenster Ansichten und hunderten von Türen, die es jedem einzelnen ermöglichen, seine eigenen individuellen Erklärungen auf seine Fragen und Emotionen in kreativen Wortkonstruktionen zu finden. Genießen wir somit die Gewissheit, dass zwischen all diesen Worten und Bildern mit hoher Wahrscheinlichkeit noch ganz andere interessannte Weiblein und Männlein zu finden sind. In diesem Sinne: Ganz lieben Dank für dein Feedback, Graumensch und ich bin froh Dich als Leser dazu gewonnen zu haben!

Herr Sushi macht Schule.

Morgen beginnt für mich eine neue Ära. Und weil es für mich so etwas ganz besonderes ist, erlaube ich mir heute einmal was ganz persönliches zu schreiben. Es soll denen Mut machen, die Zweifel haben, jene bestärken, die sich machtlos fühlen und die Leser bestätigen, die das Gefühl kennen, dass Leben wieder in der eigenen Hand zu halten …

Vor zweieinhalb Jahren begann ich damit, mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu treten, war mir sicher noch ziemlich unwohl dabei. Hab ich mich damals zwar schon langsam herantasten können, mit dem stetig wachsenden Gefühl, dass dies gut ist was ich tat, doch konnte ich ja nicht erahnen, dass A: Diese Zeit auch irgendwann einmal wieder ein “Ende”, im Sinne von Platz schaffen um die weiteren Schritte zu gehen, hat, sowie B: dass sich diese Sache letztendlich doch so stark etabiliert und Anerkennung findet. War ich doch eigentlich in der Annahme, dass dies schon viele andere taten. - Darüber sprechen. - Darüber sprechen und “fachsimpeln” wie schlecht dies doch sei, wie man sich doch letztlich selbst zerstört und all die ganzen anderen seltsamen Floskeln, die man eh schon überall nachlesen kann und zu hören bekommt. Doch alles kam ganz gegensätzlich meiner Erwartungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich eben noch nicht ausehe wie ein “typischer” Abhängiger, wie er gerne in den Medien dargestellt wird, vielleicht ist es meine Art zu reden und selbst noch aus dem dunkelsten Dunkel noch ein Funken Licht heraus zu zaubern, vielleicht traf ich die richtigen Menschen zur richtigen Zeit, die mir die Möglichkeit gaben, dass umzusetzen, was ich zu diesem Zeitpunkt fühlte tun zu wollen. Aber vielleicht vergessen auch viele, die sich berufen fühlen von Süchten und Abhängigkeiten zu sprechen, bei ihren Recherchen und Berichterstattungen in ihrer achso grausamen Schicksalsdarstellung, auch das Leben zu beleuchten, welches sich hinter jedem einzelnen Individuum verbirgt.

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Mit Team der Suchtberatungsstelle Gera (Conny, “Wolverine”) bei der “Aktionswoche Alkohol 2013”

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Sommerreise.

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Wieder einmal habe ich es nicht geschafft in diesem Sommer zu verreisen. Keine spanischen Mentalitäten, keine englischen Gepflogenheiten, keine kanadischen Hochwälder. Und doch bin ich weiter, als jemals zuvor herum gekommen, in den Weiten des Naheliegenden. Ich war an den Stränden der Gegenwart, sah das Glitzern der Möglichkeiten hinten am Horizont, lag im Schatten von Felsen der Erinnerung. Nie reiste ich weiter in eine Welt, die so fremd und neuartig ist, wie auch gleichermaßen vertraut. Und die Andenken an diese Reise, sind fest verankert im Herzen und gehen niemals mehr verloren, auf einem Billigflug zurück in die Heimat.

X: "Frei ist der, der sich anders zu sein erlaubt. Doch schau Dich um, alle sind gleich, doch finden sich anders. Und die, die wirklich anders sind, werden als “komisch” bezeichnet und befinden sich dennoch näher an ihrer eigenen Freiheit, als jene die der Freiheit trachten. Verrückt irgendwie und ganz anders so betrachtet! - Aber es gibt eine Lösung und die schaut bei jedem anders aus. Allerdings bleibt vielen diese verborgen, weil eben jene die eigene innere Sprache nicht verstehen."

Y: "Und natürlich reden wir uns viel zu viel ein oder lassen uns sagen wie wir sein müssen, um passend zu sein für mehr Individualität und Freiheit in der Teilhabe des globalisierten Lebens. Und daher ist es kein Wunder, dass immer mehr Menschen einen an der Waffel haben und inkompatibel werden mit der Funktionalität in einer “Welt der offenen Türen”. Man kann sich schnell überflüssig fühlen. Sich selbst überflüssig machen. Und irgendwann nicht mehr gebraucht werden. Man kann dies alles ganz schnell, auch das ist Freiheit, aber eines sollte man dann nicht tun: Sich darüber wundern. Denn dies ist wirklich kein Wunder, wenn alles nach Selbstverwirklichung schreit und orientierungslos strömt…"

Ein neues “Mixtape” mit den für mich erinnerungswürdigsten Tracks aus den vergangenen Monaten. Zusammengestellt für dieses Gefühl, genau in diesem Moment, welches sich in mir ausbreitet, dass sich nicht nur allmählich dieser Sommer dem Ende zuneigen wird, sondern auch die Gewissheit, dass die vermehrt kommenden graueren Tage nicht nur niedrigere Temperaturen, Trübsal und Lustlosigkeit mit sich bringen, sondern vorallem eine ordentliche Portion an neuen Inspirationen, Entdeckungen und einem musikalischem Fundus, um das eigene Spektrum erneut zu erweitern. Tauche ein, um in dieser Gegenwart in die vergangenen Tage dieses Sommers zu reisen und die Erinnerungen für morgen zu sammeln, um vielleicht schon in den nächsten Frühling, weit hinter dem bevorstehenden Herbst und Winter, zu fliegen. Doch vergessend zurücklassen will ich diese Jahreszeiten nicht und lasse meinen Anker hier. So schwebe ich hinein in den Abend und in den Tag, voller Erwartungen an die fernen Zeiten, immer wieder die Erinnerungen berührend, mit dem Soundtrack meines Sommers im Ohr. Immer wieder bereit im Hier und Jetzt zu sein.

Tracklist:
01. Michna  “Increasing Ambition” / 02. Polica “Chain My Name (Perera Elsewhere Remix)” / 03. Little Dragon “Little Man (Tycho Remix)” / 04. Haerts “Wings (Shlohmo Remix)” / 05. Washed Out “All I Know (Moby Remix)” / 06. Jon Hopkins “Abandon Window (Moderat Remix)” / 07. Robot Koch “Trouble (Robot´s Don´t Sleep Remix)” / 08. Tycho “Spectre (Bibio Remix) / 09. Caribou “Can´t Do Without You (Extended Remix) / 10. Christian Löffler “Mt. Grace” / 11. Paume “Transalpine” / 12. Tycho “Awake” (Com Truise Remix) / 13. Nu ” MAN O TO” / 14. The Notwist “Run Run Run (Ada Remix)” / 15. The/Das “Parallel Worlds” / 16. Trummer&Scholz “Routine”